Das 1x1 der Drossel
 
Begriffsbestimmung (nach EN61558-20)
 

Drossel:
Apparat, der aus einer oder mehreren Wicklungen mit einer frequenzabhängigen Impedanz besteht und nach dem Prinzip der Selbstinduktion arbeitet, wobei ein magnetisierender Strom ein magnetisches Feld erzeugt, das durch einen magnetisch wirksamen Kern oder durch Luft führt.


Wechselstromdrossel:
Drossel, bei der der magnetisierende Strom ein magnetisches Wechselfeld erzeugt, das seine Polarität in Abhängigkeit von der Frequenz wechselt.

Vormagnetisierte Drossel:
Drossel, bei der der magnetisierende Gleichstrom ein magnetisches Feld einer einzigen Polarität erzeugt, während ein überlagerter Wechselstrom das direkte Magnetfeld in Abhängigkeit von seiner Stromstärke und Frequenz verändert.

Bemessungsstrom:
Den der Hersteller der Drossel zugeordnet hat, einschließlich der Oberschwingungen, sofern vorhanden, die die Erwärmung der Drossel beeinflussen.

Bemessung-Drossel-Leistung:
Summe der Produkte aus Bemessungsspannungsabfall und dem Bemessungsstrom bei Bemessungsfrequenz für die verschiedenen Wicklungen.

Bemessungsinduktivität:
Induktivität der Drossel, die durch den Hersteller für die festgelegten Betriebsbedingungen der Drossel bestimmt wurde.

Bemessungswiderstand:
Gleichstromwiderstand der Wicklung einer Drossel, der durch den Hersteller für die festgelegten Betriebsbedingungen der Drossel bestimmt wurde.

Bemessungsspannungsabfall:
Spannung entlang einer Wicklung einer Drossel, die der Hersteller für Bemessungsstrom und Bemessungsfrequenz zugeordnet hat.

Bemessungs-Eingangsspannung:
Die Versorgungsspannung (bei Dreiphasen-System zwischen den Außenleitern) die der Drossel für die festgelegten Betriebsbedingungen zugeordnet ist.

Bemessungsfrequenz:
Die Frequenz, die der Drossel für die festgelegten Betriebsbedingungen zugeordnet ist.

Überlastfeste Drossel:
Drossel, bei der die Temperatur die festgelegten Grenzwerte nicht überschreitet, wenn die Drossel überlastet wird, und die nach dem Entfernen der Überlast weiterhin alle Anforderungen der EN61558 erfüllt.

Bedingt überlastfeste Drossel:
Überlastfeste Drossel, die mit einer Schutzeinrichtung ausgerüstet ist, die den Stromkreis öffnet oder den Strom im Stromkreis verringert, wenn die Drossel überlastet ist, und die nach dem Entfernen der Überlast und dem Ersetzen oder Rücksetzen der Schutzeinrichtung weiterhin alle Anforderungen der EN61558 erfüllt.

  • Beispiele für Schutzeinrichtungen sind: Sicherungen, Überlastauslöser, Temperatursicherungen, Thermo-Schmelzeinsätze, Temperaturbegrenzer, PTC-Kaltleiter und automatisch auslösende mechanische Schutzschalter.
  • Im Falle der Schutzauslösung durch eine Schutzeinrichtung, die nicht ersetzt oder zurückgesetzt werden kann, bedeutet es nicht, dass die Drossel auch weiterhin funktioniert.

Unbedingt überlastfeste Drossel:
Überlastfeste Drossel ohne Schutzeinrichtung bei der die Temperatur bei Überlast auf Grund ihrer Konstruktion festgelegte Grenzwerte nicht überschreitet, und der nach dem Entfernen der Überlast auch weiterhin funktioniert und alle Anforderungen der EN61558 erfüllt.
Nicht überlastfeste Drossel:
Drossel, bei dem vorgesehen ist, dass sie gegen übermäßige Temperatur durch eine Schutzeinrichtung geschützt wird, die nicht Bestandteil der Drossel ist, und die nach dem Entfernen der Überlast und weiterhin alle Anforderungen der EN61558 erfüllt.

 
Grundlagen
Eine Spule ist physikalisch gesehen ein frequenzabhängiger (komplexer) Widerstand. Das bedeutet für die Praxis, dass die Spule einen umso höheren Widerstand aufweist, je höher die Frequenz ist, mit der sie betrieben wird. Hohe Frequenzen haben an der Spule also einen hohen Widerstand, sie werden "herausgefiltert", während niedrige Frequenzen die Spule "passieren". Also ist die Spule ein Tiefpassfilter. Die physikalische Formel lautet recht einfach (für die ideale Spule bzw. Drossel):

B=jωL

wobei B der (komplexe Blind-) Widerstand, j die Indikation für den komplexen Zahlenbereich, ω die Kreis-Frequenz und L die (idealerweise konstante) Induktivität. Man erkennt leicht den linearen Zusammenhang von Widerstand und Kreisfrequenz.

Durch die Drossel fliesst der zeitlich veränderliche Strom i(t), idealerweise ist dies ein sinusförmiger Wechselstrom. Die an der Spule / Drossel abfallende Spannung Δu ist linear proportional zu der zeitlichen Änderung des durch die Drossel fliessenden Stroms, mathematisch also die Ableitung. Ändert sich der Strom durch die Spule schnell, hat der Strom durch die Spule also steile An- oder Abstiege (auch ein Indiz für eine hohe Frequenz, siehe oben!), so fällt an der Spule auch eine hohe Spannung ab, sie hat also einen hohen Widerstand. Durch diese physikalische Eigenschaft kann eine Drossel also hervorragend als „Dämpfungselement“ verwendet werden, da bewirkt wird, dass beispielsweise bei einem Stromstoss (steiler Stromanstieg!) eine entsprechend hohe Spannung an der Drossel abfällt, die sonst an dem zu schützenden Bauteil abfallen würde und möglicherweise zu dessen Zerstörung führen würde. Die Formel hierzu lautet ebenfalls einfach:

wobei Δu die abfallende Spannung an der Spule ist und L die (idealerweise konstante Induktivität).

 
 
Die hier angeführten Formeln dienen der groben Abschätzung und gehen von einer idealen Drossel (ohne ohmschen Widerstand und Wicklungskapazitäten aus).
   
Allgemeines Schaltbild: Legende:
I
ΔU
f
L
Strom
Spannungsabfall
Frequenz
Induktivität



Spannungsabfall (ΔU):
Kreisfrequenz

Spannungsabfall (bei 3-phasiger Drossel
je Phase)
   
 

Die Bemessungs-Drossel-Leistung (SN):
   
   
   

Der Energieinhalt (LI²)
:
 
 
   
   
Verwendete Einheiten:
U
I
S
L
f
Volt/V
Ampere/A
Volt-Ampere/VA
Henry/H
Hertz/Hz
 
 
Betrieb

Umgebungstemperatur:
Die Umgebungstemperatur der Drossel bei Bemessungsleistung darf die am Typenschild angegebene Bemessungs-Umgebungstemperatur nicht überschreiten (zeitweilig kann die Drossel bei einer Temperatur von maximal 10°C mehr als ta betrieben werden).
Wird die Bemessungs-Umgebungstemperatur dauerhaft überschritten ist der Bemessungsstrom zu reduzieren:


 
Einschaltdauer:
Der angegeben Bemessungsstrom bezieht sich auf die Betriebsart S1 (Dauerbetrieb). Bei Betrieb in einer Reihe von festgelegten identischen Zyklen (Aussetzbetrieb) kann in vielen Fällen eine Drossel mit kleinerer Bemessungsleistung eingesetzt werden.
Einschaltdauer (ED) der Drossel errechnet sich:
 
Um eine unzulässige Erwärmung zu vermeiden ist die Spieldauer (Betriebszeit + Pausenzeit) auf 10 Minuten begrenzt. Mit Hilfe des Faktors F kann die benötigte Bemessungsleistung der Drossel errechnet werden:
 
 
ED/% 100 80 70 60 50 40 30 20
F 1,0 0,89 0,85 0,77 0,70 0,63 0,55 0,45
 
 
Aufstellungshöhe:
Drosseln sind für einen Betriebs bis maximal 1000mNN ausgelegt.
Wird ein Gerät bei abweichender Höhe aufgestellt ist der Bemessungsstrom zu reduzieren:
 
 
Arten von Drosseln
 
Kleindrosseln
Die hier aufgeführten Leistungsbereiche sind auf die Belange der EN61558 abgestimmt. Sinngemäß sind diese Arten von Drosseln natürlich in größeren Leistungsklassen und bis zu einer Spannung von 12kV erhältlich.
 
Netz-Kommutierungsdrossel:
Drossel zur Begrenzung der Netzrückwirkungen von kommutierenden Halbleitern (z.B. Eingangsgleichrichter von Frequenzumrichtern).
Der Effektivwert der Stromaufnahme derartiger Anlagen wird deutlich verbessert.
Branchenüblich wird der Spannungsabfall oft in Prozent der Netzspannung angegeben.
Beispiel: Drossel 4% bei 3x400V Netz
 
 
Motordrossel:
Drossel zur Begrenzung der Spannungssteilheit an den Motorklemmen welche durch die Pulsbreitenmodulation des Frequenzumrichters bedingt sind.
 
Gleichstrom-Glättungsdrossel:
Drossel zur Glättung des Ripplestromes (Welligkeit) einer gleichgerichteten Wechselspannung.
Filterkreisdrossel:
Drossel, welche in Verbindung mit einem Kondensator zum Aufbau einer verdrosselten Kompensationsanlage dient. Dadurch wird eine Parallelresonanz des Kondensators mit im gleichen Netz befindlichen Stromrichtern verhindert. Zusätzlich wird eine leichte Oberschwingungsreduktion des Netzes erreicht Durch die höhere Belastung durch Harmonische Ströme und die individuelle Auslegung des Schwingkreises ist eine Definition des erwarteten Stromspektrums sowie des Kapazitätswertes notwendig.
Saugkreisdrossel:
Drossel, welche in Verbindung mit einem Kondensator zum Aufbau eines Saugkreises (L-C-Serienresonanz) dient. Diese Anlage stellt für die jeweilige Harmonische einen sehr geringen Widerstand dar und absorbiert die entstandenen Oberschwingungen am Ort der Entstehung (z.B. bei Antrieben großer Leistung).
Die Induktivitätseinstellung dieser Drosseln ist sehr sensibel und wird mit sehr engen Toleranzen ausgeführt.
Wegen der sehr großen Oberschwingungsbelastung ist eine Definition des erwarteten Stromspektrums unbedingt notwendig.
 
Großdosseln

Drosseln aus dem Größeren Leistungsbereich fallen unter die Norm EN60289.
Sinngemäß gelten ähnliche Begriffsbestimmungen und Anwendungen.
Unser Produktspektrum Umfasst Drosseln von 0,03 – 900kVA Typenleistung und einer maximalen Bemessungsspannung bis 12kV.

INFO-LINKS
 
Das 1x1 der Drossel (147 KB)
Printversion
AGB
Impressum